Klimaresiliente Dörfer brauchen eine klimaresiliente Landschaft

Hier ein Bericht über den Vortrag von Matthias Rühl zum Thema „Klimaresiliente Dörfer brauchen eine klimaresiliente Landschaft“, der am 14.5.25 im gut besuchten Sportheim Untereisenheim stattfand:

 Wie können wir uns besser wappnen gegen Sturzfluten, Wassermangel, extreme Trockenheit, Missernten usw.?


 „Schwammlandschaft“ ist das neue Zauberwort!

Extremwetterereignisse werden häufiger und stärker, sagen die Wissenschaftler.

In seinem Vortrag erklärte Stadtplaner Matthias Rühl was wir tun können, um die Gefahren und Auswirkungen von Starkregen/Hochwasser einerseits und Dürre/Hitze andererseits abzumildern.

Er schilderte eindrucksvoll, anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse, wie der Klimawandel mit seinen extremen Wetterereignissen, wie z.B. Starkregen und anhaltenden Trocken- und Hitzeperioden, unsere eigene Gesundheit, unser Hab und Gut, wie auch unsere Landwirtschaft und den Weinbau bedroht und zeigte Maßnahmen auf, wie wir uns an die veränderten Wetterbedingungen anpassen können und drohenden Schaden verringern bzw. abwenden können.

Einerseits treten Starkregenereignisse inzwischen häufiger auf, während andererseits Dürre- und Hitzeperioden zunehmen, in denen wir unter extremer Trockenheit leiden. Der Grundwasserspiegel sinkt, sodass wir in Zukunft wohl weniger Wasser zur Verfügung haben werden, welches wir aber in Zukunft vermutlich immer dringender benötigen werden. Sowohl Privatpersonen, als auch die Landwirtschaft und der Weinbau sind existentiell auf Wasser angewiesen. Deshalb ist es dringend erforderlich, das Wasser, das wir durch Regen „geliefert bekommen“ für Trockenzeiten und zum Aufbau des Grundwasserspiegels zu nutzen und eventuelle Regenmassen so zu lenken, dass sie uns nicht gefährlich werden können!

In den letzten Jahrzehnten wurde unsere Landschaft, im Zuge der Flurbereinigung, darauf hin ausgelegt, das Regenwasser schnellstmöglich abzuleiten, da wir es damals mit anderen Witterungsbedingungen zu tun hatten als heute. Dazu wurden früher z.B. Entwässerungsgräben angelegt, oft ausgekleidet mit Betonelementen, die das Zuviel an Wasser schnellstmöglich weg transportieren sollten. Mittlerweile haben sich jedoch unser Klima und die daraus resultierenden Wetterereignisse verändert, sodass es mittlerweile unerlässlich geworden ist, das Wasser für anhaltende Trocken- und Dürreperioden in den Böden zu halten und zu speichern. Grundsätzlich soll Regenwasser nicht mehr oder in viel geringerem Maße weggeleitet werden. Das Wasser kann dann seine nützlichen Aufgaben Versickerung (Bodenspeicher auffüllen, Grundwasser bilden) und Abkühlung (durch Verdunstung über Pflanzen) wieder erfüllen. 

Insofern sind dringend ein Umdenken und Maßnahmen zur Anpassung an die veränderte Witterung erforderlich:

Entwässerungsgräben sollten beispielsweise möglichst flach, breit und bepflanzt sein, damit die Geschwindigkeit des ablaufenden Wassers verringert wird und möglichst viel Wasser versickert. Durch eine geringere Fließgeschwindigkeit des Wassers schützen wir uns zudem besser vor einer Sturzflut und plötzlicher Überschwemmung in unseren Wohngebieten.  Außerdem kann das Wasser dann in die angrenzenden Flächen einsickern und steht dort länger den Pflanzen zur Verfügung.

Die Starkregenabfluss-Gefahrenkarte für Eisenheim kann hier heruntergeladen werden: 

 https://www.lfu.bayern.de/wasser/starkregen_und_sturzfluten/hinweiskarte/index.htm

Ein weiteres Beispiel ist das Anlegen von Sickermulden und Tümpel im Garten oder entlang von Gräben, der Einbau von Zisternen, das Entsiegeln von gepflasterten Flächen, das Zulassen von mehr Grün in der Flur und im Ort. Auch wenn das vielleicht für manche unordentlich aussieht – für die Bodenorganismen und Insekten oder andere Kleintiere ist das eine große Hilfe zum Überleben. Doch nicht nur die Tiere, auch wir Menschen profitieren von Baum- und Heckenpflanzungen, begrünten Häusern und Dächern und allgemein „mehr Grün im Ort“, denn die Pflanzen wirken wir eine „Klimaanlage“ und können die Umgebung merklich abkühlen, während sich versiegelte Flächen aus Stein und Beton unsere Wohnlandschaft stark aufheizen können. Begrünung von Böden, Hecken- und Baumpflanzungen zwischen Feldern und in der Landschaft, sorgen dafür, dass wertvoller Ackerboden vor Starkregen und Wind besser geschützt werden kann, weniger Erosion stattfindet und die Feuchtigkeit besser vom Boden aufgenommen und gespeichert werden kann. Zudem wird durch das Wurzelwerk der Pflanzen der Boden gelockert und mehr wertvoller Humus gebildet, der Wasser wiederum besser aufnehmen und speichern kann und zudem den Boden fruchtbarer macht. Der Referent zeigte hier eindrucksvoll auf, dass sich durch die Pflanzung von Hecken und Bäumen, neben dem Boden- und Windschutz, auch der Ertrag einer Ackerfläche steigern kann bzw. bei  Extremwetterlagen stabilisieren lässt.

Jeder Einzelne kann selbst viel dazu beitragen, sorgsam mit Wasser umzugehen und kleine Maßnahmen zum Wasserrückhalt auf seinem Grundstück oder in seinem Garten umzusetzen. Auch die Summe vieler kleiner Maßnahmen helfen zusammen und können insgesamt viel bewirken! Das Auffangen von Regenwasser in Regentonnen und Zisternen zur Bewässerung des eignen Gartens, das Anlegen einer Sickermulde oder der Verzicht auf versiegelte Flächen (z.B. Rasensteine, statt gepflasterte Wege) sind z.B. einfache und effektive Maßnahmen, mit denen zum Wasserschutz beitragen kann.

Auch auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene ist das Thema „Schwammlandschaft“ inzwischen angekommen, wird politisch und  finanziell gefördert und vielfach wurden bereits Maßnahmen ergriffen, um uns an Starkregen, Hitze und Dürre, besser anzupassen. Man ist dabei, aus den zahlreichen Katastrophen der vergangen Jahre, wie z.B. Sturzfluten, Erkrankungen und Todesfälle durch Hitze, Wassermangel und Ernteausfällen zu lernen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.  Insofern ist es wichtig, dass wir uns auch hier auf Gemeindeebene gemeinsam gut aufstellen, ins Gespräch kommen, und diese Herausforderungen zusammen meistern!