Wassergespräche

Die Eisenheimer „Aktionsgruppe Klima“ lud am 17.11.22 und am 24.11.22 zu den  „WASSERGESPRÄCHEN“ ein.

 

Interessierte Bürger und örtliche Winzer sprachen in diesem Rahmen über den Klimawandel, der damit einhergehenden Wasserverknappung und die möglichen Folgen für uns alle vor Ort, die Landwirtschaft und den Weinanbau. Wir diskutierten mögliche Lösungsansätze in Bezug auf den Umgang mit den Klimaveränderungen und der zukünftigen Wasserversorgung hier in Eisenheim.

 

Am ersten Abend wurde zu Beginn ein kurzer Filmbeitrag gezeigt, der veranschaulichte, wie Fachleute und Wissenschaftler die Ressource Wasser in Bezug zum Klimawandel betrachten und welche Auswirkungen der Trockenheit vergangener Jahre auf den Grundwasserspiegel, die Wasserversorgung, die Natur und Landwirtschaft und das Leben der Menschen hat. Der Film zeigte nochmals eindrücklich, was bereits aus den Medien bekannt sein dürfte und hinterließ wohl bei den meisten Zuschauern ein banges Gefühl.

 

Die Auswirkungen von Hitze, Dürre und Wassermangel haben wir selbst bereits, v.a. im vergangenen heißen Sommer, erleben müssen, wie z.B.:

 

      Wassertonnen und Zisternen, die aufgrund der Hitze und Trockenheit schnell  geleert waren, sich zu wenig füllten und somit zur Bewässerung des Gartens nicht mehr ausreichten;

      Pflanzen, die sich nicht richtig entwickeln konnten oder vertrockneten und abstarben (z.B. Bäume in Wald und Flur);

      unbefriedigende Ernten (wie z.B. verkümmertes Getreide);

      die Notwendigkeit und der Mehraufwand für die zusätzlichen Bewässerung der Reben in den Weinbergen;

      Austrockung kleiner Bäche, Tümpel und Flüsse (z.B. Niedrigwasser Main);

      Diskussion über die Bewässerung der „Bergtheimer Mulde“ und Umgang mit der Entnahme von Grundwasser und Mainwasser;

           usw.

 

Aufgrund der beschriebenen Problematik ist es uns ein Anliegen, uns zusammenzutun, auszutauschen und von den Beiträgen aller gegenseitig zu profitieren. Wir wollen gemeinsam überlegen, wie wir dem Klimawandel - und der damit einhergehenden Hitze und dem damit verbundenen Wassermangel - konkret hier in Eisenheim begegnen können und Wege suchen, wie wir unsere Natur erhalten, die Versorgung gewährleisten und negative Folgen für uns alle abfedern können.

 

Im gemeinsamen Gespräch erörterten wir die Situation vor Ort und trugen Ideen und erste Lösungsansätze zusammen, wie z.B.:

 

      Wie könnte man die Wasserversorgung mit der öffentlichen Brauchwasserentnahmestellen sichern und verwalten? Was wäre, wenn das Wasser mit zunehmendem Bedarf und ausbleibenden Regenfällen eben nicht mehr zuverlässig fließen und für die notwendige Bewässerung ausreichen würde? Wie kann die Brauchwasserentnahme sozial gerecht gestaltet werden?

      Welche Möglichkeiten wären denkbar, Regenwasser für trockene Zeiten zu sammeln? (z.B. Zisternen?, Regenrückhaltebecken?)

      Welche Maßnahmen könnte man in unserer Landschaft ergreifen, damit das Wasser nicht einfach abfließt und besser im Boden gehalten werden kann? („Keyline Design“?)

      Welche Möglichkeiten eignen sich, die Neupflanzung und den Erhalt bestehender Bäume als „Klimahelfer“ (Wasserspeicher, Bodenschutz, Beschattung/Hitzeschutz) auszubauen? Wie und von wem kann die notwendige Bewässerung in den ersten Jahren geleistet werden?

      Welche Maßnahmen kann jeder Bürger selbst im Alltag umsetzen, um mit Wasser nachhaltig umzugehen? Welche Informationen oder Anreize können dem dienlich sein?

      Welche Lösungsansätze gibt es in Landwirtschaft und Weinbau mit dem Wassermangel und der Hitze umzugehen? (z.B. hitzeresistente Sorten?, Beschattung durch Baumstreifen/Hecken?, Förderung der Humusbildung ?, Schutz vor Bodenerosion ?, etc.)

      Welche Experten und Netzwerke könnten zur Lösung der Probleme beitragen und befragt werden?

      Welche Fördermittel können ausgeschöpft werden?

           usw.

 

Nach diesem gelungenen Auftakt fand am 24.11.22 das zweite Treffen der „Wassergespräche“ statt. Hier ging es v.a. um Lösungsansätze, z.B. im Hochwasser- und Dürreschutz, Wassernutzung, Landschaft und Boden. Vorab wurde wieder ein kurzer kurzer Filmbeitrag gezeigt. Es handelte sich um einen Vortrag von Dr. Philipp Gerhardt, der über Wassermanagement nach dem „Keyline-Ansatz“ und „Agroforst-Systeme“ referierte. Beim „Keyline Design“ (Schlüssellinienansatz) handelt es sich um die Gestaltung der Landschaft mit dem Ziel, Wasser bestmöglich im Boden zu verteilen und somit gegen Hochwasser und Bodenerosion durch Starkregen Schutz zu bieten und gleichzeitig den Boden vor Austrocknung und Dürre zu schützen. Eingesetzt werden hierfür z.B. an die jeweilige Geländestruktur angepasste Abwasser- und Versickerungsgräben, Tiefenlockerung des Bodens, Wasserspeichersysteme und Agroforststreifen. Beim „Agroforst-System“ werden Gehölze (Baumreihen, Hecken) mit landwirtschaftlichen Flächen kombiniert, um von den ökologischen und ökonomischen Vorteilen für Landwirte, Natur  und Klima zu profitieren (z.B. weniger Wasserverdunstung und Verbesserung des Mikroklimas, Bodenverbesserung, weniger Bodenerosion, höhere Erträge, Förderung der Biodiversität etc.).

 

Anschließend ergab sich eine interessante Gesprächsrunde zu diesen Themen, an der erfreulicherweise einige Winzer zugegen waren, die von den Auswirkungen der Dürre ebenfalls unmittelbar betroffen sind und aus der Praxis berichten konnten. Es entstand ein reger Austausch über die zunehmende Bewässerungs- und Dürreproblematik. Wir suchten gemeinsam nach Lösungswegen und Möglichkeiten, mit diesen Herausforderungen in Zukunft vor Ort umzugehen. Folgende Maßnahmen wurden dabei konkret angeregt:

 

      Berücksichtigung von Ansätzen des Klimaschutzes und der Klimawandelanpassung bei der notwendigen Umgestaltung der landwirtschaftlichen Fläche im Zuge der Straßenumlegung (Umgehungsstraße) auf der Prosselsheimer Höhe (Keylinedesign ?, Agroforst ?).

      Nutzbarmachung des gereinigten Abwassers im Zuge des notwendigen Neubaus der Kläranlage und Ausstattung der Kläranlage mit einer Solaranlage;

      Integration von Regenwasserauffangbecken in die Landschaft;

      Schaffung von Senken und Mulden, die das Regenwasser aufnehmen können und so dem Grundwasserspiegel zu Gute kommen;

      Suche nach Fördermöglichkeiten für die naturnahe Gestaltung der Weinbergs -Spitzzeilen;

      Schaffung von mehr natürlicher Vegetation (Bäume und Hecken) in der Landschaft;

 

Als ein konkretes Ergebnis der „Wassergespräche“ erfolgt nun die Einbringung einiger Ideen über konkrete Beschlussvorschläge in den Gemeinderat.

Die beschriebene Thematik betrifft uns alle bereits heute auf irgendeine Weise bzw. wird uns und unsere Kinder voraussichtlich in Zukunft noch stark zu schaffen machen. Wir alle sind auf eine ausreichende Wasserversorgung und ein verträgliches Klima angewiesen – als Bürger, Gartenbesitzer, Verein, Winzer und Landwirt.

 

Daher freuen wir uns sehr, wenn sich noch mehr Eisenheimer zusammen finden, um die Gespräche zu bereichern, sich gegenseitig zu unterstützen und regional hier für unsere Gemeinde und uns alle gangbare Lösungswege zu finden. Nicht zuletzt geht es auch darum, die Natur zu schützen und einen lebenswerten und gesunden Ort für uns und die nächsten Generationen zu erhalten und für die Zukunft, mit all ihren Herausforderungen, bestmöglich mitzugestalten.

 

 

 

 

 

 

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